Geschichte aus der Gemeinde Rumbach

Das Wahrzeichen im historischen Ortsmittelpunkt des Dorfes, ist die seit wohl vor über 1000 Jahren gebaute Christuskirche. Bereits vor ihrem Bau stand hier eine kleine Wallfahrtskapelle und war dem heiligen Sankt Gangolf gewidmet. Der ehemalige Wallfahrtsort entstand vermutlich um das Jahr 980 und wurde in alten Dokumenten als „Ronbach“, später 'Rombach' und zeitweise als 'Rhonebach' erwähnt. Der als 'Rhonebach' bezeichnete Ort, bei dem es sich historisch um den heutigen Ort Rumbach in der Pfalz, (damals nahe der bayerischen Grenze) handelt, war besonders im Mittelalter, etwa ab dem 10. Jahrhundert bis zum 30-jährigen Krieg, bekannt. Die Ritter aus den umliegenden Burgen ließen hier ihre Pferde segnen. Die Geschichte Rumbachs ist eng mit dem Gangolfskult verbunden. Es wird vermutet, dass die frühere Verehrung möglicherweise mit einer Kapelle oder der Burg 'Wegelnburg' in Verbindung stand, die in den pfälzischen Erbfolgekriegen zerstört wurde.

Die einstige Wallfahrtskirche ist Teil der romanischen Straße, die durch Rumbach ins nahe Elsaß führt. Der Kirchenbau stammt im Kern aus dem 11. Jahrhundert. Im 14. Jahrhundert verlängerte man das romanische Langschiff nach Westen und fügte ein gotisches Portal hinzu. An der Nord- und an der Ostwand des Kirchenschiffs, im Chorbogen und auch im Chorraum wurden 1958 mittelalterliche Fresken freigelegt, die vermutlich auf die erste Hälfte bis Mitte des 14. Jahrhunderts zu datieren sind.

Urkundlich erstmals erwähnt ist Rumbach allerdings erst im 12. Jh. und zwar im Zusammenhang mit der Reichsfeste Wegelnburg. Von der ersten Hälfte des 15. bis Ende des 18. Jahrhunderts gehörte Rumbach zum Herzogtum Pfalz-Zweibrücken und im Jahr 1338 gehörten Rumbach, Nothweiler und Hirschthal zum Verwaltungssitz des Amtes Wegelnburg an. Der von 1618 bis 1648 an wütende dreißigjährige Krieg war ein Konflikt um die Hegemonie im Heiligen Römischen Reich und in Europa, der als Religionskrieg begann und als Territorialkrieg endete, brachte auch über Rumbach arge Not. Pest, schlechte Ernten und besonders der 30-jährige Krieg (1618–1648) hinterließen die Gegend fast menschenleer. In diesen Zeitabschnitt fiel auch eine erste Auswanderungswelle aus allen Teilen der Pfalz in die USA, die in den Vereinigten Staaten als „Palatines und Palatine“ bekannt wurden.

Nach der Einnahme des linken Rheinufers durch französische Revolutionstruppen (beginnend ab 1794, formell annektiert ca. 1797/1801) erlebten die rheinischen Gebiete eine tiefgreifende Umstrukturierung, die oft als „Franzosenzeit“ bezeichnet wird. Dies markierte einen radikalen Bruch mit den feudalistischen Strukturen des Heiligen Römischen Reiches und einen „Aufbruch in die Moderne“. Die französischen Behörden führten moderne Verwaltungsstrukturen ein, darunter die Départements-Einteilung. Das wichtigste Erbe war die Einführung des Code Civil (Code Napoléon), eines modernen bürgerlichen Gesetzbuches, das die Rechtsgleichheit festschrieb. Nach der Niederlage Napoleons ersetzten ab 1814 alliierte Verwaltungen die französische Herrschaft, wobei viele Verwaltungsstrukturen und Gesetze (wie der Code Civil) in den linksrheinischen Gebieten weiterwirkten.

Es kam zu erheblichen Verlusten der ansässigen Bevölkerung des Ortes Rumbach und der Region überhaupt. Dem versuchte man, nach den Wirren dieser Zeit, erfolgreich durch das Anwerben und den Zuzug protestantischer Bevölkerung aus Schweizer Kantonen in den Herrschaftsgebieten des Herzogtums Pfalz-Zweibrücken zu begegnen. Auf diese Vorfahren und Ahnen gründen sich noch heute in Rumbach ansässige Familiennamen wie Friedly, Grüny, Hunsicker, Jacky, Kindelberger und Perret, die sich in der Zeit nach dem dreißigjährigen Krieg und in den folgenden Jahrhunderten in den Dörfern und Orten des Amtes Wegelnburg niederließen.

Der Pfälzische Erbfolgekrieg bildete einen weiteren tiefen Einschnitt in die nachhaltige Entwicklung, und in den Kriegswirren der französischen Revolution. In unmittelbarer Nähe zwischen den Orten Niederschlettenbach, Nothweiler, Rumbach, sowie in der Ortschaft Bundenthal kam es wieder zu Kampfhandlungen, bekannt unter der Bezeichnung 'Schlacht am Mäuerle' bei Bundenthal. Hier standen französische Revolutionstruppen den vereinten österreichischen und preußischen Regimentern im Tal der Lauter gegenüber und die Bevölkerung unterlag den Drangsalen der vielen Söldnern aus verschiedenen Nationen, die sich ihren Weg immer wieder durch das Grenzgebiet bahnten.

Rumbach gehörte bis 1814 zum französischen Département Mont-Tonnerre (Kanton Dahn) und später zu Bayern. Mit dem Ausbruch des Krieges gegen Frankreich wurde die Pfalz 1870 Aufmarschgebiet der verbündeten bayrischen und preußischen Armeen. Der Wasgau war in direkter Front zu den im Elsass und Lothringen aufmarschierenden französischen Truppen. Der Krieg wurde von hier aus ins benachbarte Elsass getragen, begann im Bereich des Wasgaus mit der Belagerung von Weißenburg / Elsass und wurde aus- und weitergetragen in den Schlachten bei Froeschwiller und Wörth und endete 1871 mit der Niederlage der französischen Armee bei Sedan. Das brachte grundlegende Veränderungen in der Region mit sich.

Zwischen 1830 und 1903 verließen nachweislich 276 Auswanderer ihr Heimatdorf Rumbach – die Zahl dürfte jedoch höher liegen. Gründe für die Auswanderung waren die Missernten und die darauf einsetzende Teuerung führte dazu, dass viele Menschen an Hunger starben. Im Oktober 1846 wurde in Rumbach der Verkauf von Getreide, Kartoffeln und Brot, gänzlich verboten. 1846 schränkte der Forst das Streulaubsammeln drastich ein. Für die Bauern eine Katastrophe, da das Laub nicht nur zur Herstellung von Dünger diente. Als das Dorf sich über das Verbot hinwegsetzte reagierte das Forstamt Dahn (gegründet 1822) mit großer Härte und verurteilte die 93 Laubdiebe zu einer Strafe von insgesamt 6075 Gulden.

Neunzehn der verurteilten, darunter zwei Gemeinderäte, wanderten nach diesem 'Streulaubstreit' aus. Ein weiterer Grund für die Entscheidung auszuwandern war der karge Boden, dessen geringe Erträge, vielen Familien nicht zum Überleben gereicht hätte. Man hätte dem mit der Schaffung weiterer Ackerflächen entgegen treten können, was jedoch durch das Forstamt mit den gegen den Willen der Gemeinde durchgeführten, groß angelegten Aufforstungsmaßnahmen, unmöglich gemacht wurde und viele Einwohnern den Grund gab, auszuwandern.

In Rumbach lag in den Jahren 1836 bis 1900 die Quote mit durchschnittlich 5,3 Auswanderern pro 500 Einwohnern, deutlich über dem pfälzischen Gesamtdurchschnitt von 3,1. Die Gründe hierfür liegen sicher in der hoffnungslosen Wirtschaftslage im Dahner Tal, an dem eine Industriealisierung völlig vorbei ging. Eine Chance auf Verbesserung der eigenen wirtschaftlichen Situation bot daher nur die Emigration. 1852 wurde eine Suppenanstalt für arbeitsunfähige und erwerbslose und ihren Familien eingerichtet. Die Auswanderungswelle endete in Rumbach Mitte der 1890er Jahre, denn die Bevölkerung war soweit zusammengeschrumpft, dass das vorhandene Land den Familien ein ausreichendes Auskommen sicherte. Schweizer Einwanderer halfen später dabei, den Ort wieder aufzubauen. Zum endgültigen Erliegen kam die Auswanderung durch den ersten Weltkrieg von 1914 bis 1918.

Aus einer Grenzregion zu Frankreich wurde mit der Abtretung 1918 des Elsass und Lothringens an das neu gegründete deutsche Reich, die Randlage der Region mit einem Schlag beendet. Nach der Neuordnung der Verwaltung wurde Rumbach 1939 in den Landkreis Pirmasens (ab 1997 Landkreis Südwestpfalz) eingegliedert. Auf deutscher Seite wurde bereits in den 1930er Jahren die Maginot-Linie der Westwall der Grenze zu Frankreich errichtet. Von 1939 bis 1945 gehörte Rumbach zum Aufmarschgebiet der Westfront (Rote Zone) und später zur Evakuierungszone. Für die Bevölkerung ergab sich daraus, dass sie vor Aufnahme der Kampfhandlungen ab Juli und August 1939 in entferntere Teile Deutschlands evakuiert wurde wie z. B. dem hessischen Schwalm-Eder-Kreis (Altmorschen) oder dem unterfränkischen und mittelfränkischen Raum, aber auch vereinzelt nach Thüringen. Für die Gemeinden und Ortschaften im Bereich des Wasgaus, bedeutete es aber auch, dass eine Infrastruktur in Form von Arbeitsdienstlager des Reichsarbeitsdienstes (RAD) errichtet werden musste, in denen die Arbeiter, die den Westwall errichteten, untergebracht waren.

In Rumbach waren zwei solche Lager angelegt, ausgestattet mit Baracken zur Unterbringung des RAD (Reichsarbeitsdienst). Ein A-Lager im Bereich des heutigen Sportplatzgeländes des TuS Rumbach und ein sogenanntes B-Lager im Bereich des ehemaligen Schießplatzes. Das erste Sportheim des TuS Rumbach 1959 e.V. war eine solch umfunktionierte Holzbaracke, wie sie in der damaligen Zeit verwendet wurde. Auch die drei letzten Häuser entlang des Langenthales kurz vor erreichen des Sportplatzes, gehen auf die Errichtung des Arbeitslagers zurück, waren in ihrer Form jedoch für die ehemalige Lagerleitung errichtet worden. Mittlerweile fungieren sie als Wohnhäuser, die sich im Besitz der Gemeinde Rumbach und ein Nachbarhaus im Privabesitz befindet.

Beide Lager wurden bis 1943 als Ausbildungslager der Hitlerjugend für die Wehrertüchtigung und Ausbildung von Soldaten weiterbetrieben. Danach wurden sie in Gefangenenlager für sowjetische Kriegsgefangene umfunktioniert. Diese mussten in der örtlichen kleinbäuerlichen Betrieben arbeiten und wurden gegen Kriegsende für den Bau von Stellungen gegen die anrückenden Amerikaner eingesetzt. So mussten diese alle Bäume links und rechts, entlang des Rumbachtales, Richtung Fischbach abholzen, um für die Wehrmacht für freies Schussfeld zu sorgen. Die Versorgungslage war für diese Menschen alles andere als ausreichend. Sie mussten sich entlang ihres Weges durch das Dorf, an den Misthaufen mit von der Bevölkerung dort abgelegtem Obst und Essensresten versorgen, um in der Gefangenschaft zu überleben. Die Versorgung der Gefangenen durch die Bevölkerung war verboten und stand unter Strafe.

Nach dem Krieg wurde die Gemeinde innerhalb der französischen Besatzungszone, Teil des am 30.08.1946 neu gegründeten Landes Rheinland-Pfalz. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform im Jahr 1970 wurde Rumbach und 13 weitere Orte, sowie die Stadt Dahn, Bestandteil der neu geschaffenen Verbandsgemeinde Dahner Felsenland. In der heutigen Zeit erweist sich die Grenzlage als Vorteil, wie unter anderem das erste pfälzische, grenzüberschreitende Biosphärenreservat Pfälzerwald und Nordvogesen zeigt.

Der seit 1984 staatlich anerkannte Erholungsort Rumbach im Wasgau (Südwestpfalz), ist für seinen Erholungscharakter, seine historische bis zu 300 Jahre alte Fachwerkhäuser bekannt. Rumbach hat sich als erste Fairtrade-Gemeinde in Deutschland, sowie als Goldgewinner beim 26. Bundeswettbewerb 'Unser Dorf hat Zukunft', einen Namen gemacht.


Interessante Links
Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) und Lotto Rheinland-Pfalz
Burg Wegelnburg (575 m) – die höchst gelegene Felsenburg in der Pfalz
Die Journalisten Lilo Hagen informiert über Rumbach


Rumbach ist erste Fairtrade Gemeinde Rumbach gewinnt Silber 23.Bundeswettbewerb Biosphärenreservat Pfälzerwald Nordvogesen Verbandsgemeindeverwaltung Dahner Felsenland Südwestpfalz Touristik
26. Bundeswettbewerb 2019 'Gold für Rumbach'

5. Fairtrade Towns seit 22.09.2009
Premiumwanderregion Dahner Felsenland